Samstag, 16. Mai 2015

Der Crash vom 1. Oktober 2015

Freunde, wir müssen reden. Selbst intelligente Leute gefallen sich darin, Crash-Vorhersagen für ein bestimmtes Datum zu kolportieren.

Es lässt sich nicht leugnen, dass Crash-Prognosen unterhaltsam sind. Wir wissen alle, dass Zahlen ihre eigene Magie haben, und es macht eben einen Unterschied, ob ich sage: "Die Wahrscheinlichkeit einer Marktkorrektur ist gestiegen" (gähn) oder: "Am 1. Oktober gehen an der Börse die Lichter aus".
Es macht einen Unterschied, schon allein emotional.


Ich habe ziemlich klare Vorstellungen davon, wie die Zukunft (hier aufgenommen mit einem iPhone6) aussieht:
ziemlich unklar
Foto: Daniel Eckert


Die philosophischen Implikationen einer Behauptung wie "Am 1. Oktober 2015 kommt der Crash" sind allerdings ziemlich abgründig. Jeder, der den Kollaps für einen bestimmten Tag vorhersagt, bestreitet die menschliche Willensfreiheit. Ein Kollaps des Finanz-, Währungs- oder Wirtschaftsystems setzt Handlungen voraus, und Willensakte sollten wir uns als nichtdeterminiert vorstellen. 

Gier kann plötzlich in Angst umschlagen, und Angst in Gier. Aber warum sollte das - zum Beispiel - ausgerechnet am 1. Oktober 2015 (einem Donnerstag) der Fall sein? Eine Mondfinsternis lässt sich auf Jahrzehnte und sogar Jahrhunderte genau vorhersagen, weil der Mond, die Erde und die Sonne allein physikalischen Gesetzen unterliegen. 

Menschen unterliegen ebenfalls physikalischen Gesetzen, aber sie werden zusätzlich von seelischen Prozessen angetrieben.

Gedanken sind nie vollends determiniert. So dass wir alle am 1. Oktober 2015 sagen können: Nein, heute ist kein guter Tag zum Sterben für den Euro. Nein, heute verkaufe ich nicht. Wer also sagt, der Crash kommt trotzdem an genau diesem Datum, behauptet implizit, dass er geheime Mächte gibt, die unser Denken und Handeln lenken. Dass wir alle Marionetten sind. Teil der Matrix.  

Das ist unheimlich und aufwühlend und in gewisser Weise berauschend, wie die düstere Prophezeiung eines alttestamentarischen Propheten. Aber mit Mathematik oder Wissenschaft hat dieses dunkel geraunte Mene mene tekel wenig zu tun. Und mit Humanismus auch nicht.

Vergessen wir nicht, dass Menschen eine Seele haben, selbst Finanzmarktakteure

1 Kommentar:

  1. Was soll man sagen, sie haben alles treffend zusammengefasst. Nur steht der Mainstream insbesondere in Deutschland eben leider auf die Sicherheit von Fest- und Tagesgeld und findet Aktien etc. einfach nur widerlich. Und da die Mainstreammedien nun einmal den Mainstreem bedienen, bleibt nur, diese zu meiden, um seinen Blutdruck zu kontrollieren. Nebenbei wirkt das Zurückgehen der Abo- und Verkaufszahlen ab einem bestimmten Punkt ganz sicher erzieherisch, außer natürlich die Medien werden als systemrelevant verstaatlicht.

    Ich, aber wahrscheinlich nur ich, sehe das so: Was ist Geld? Geld ist Schuld! Fällt der Gläubiger aus oder bekommt er staatliche Überstützung, wird es gefährlich für den Gläubiger. Was dagegen sind Aktien? Spekulationsobjekt? Zum Teil. Hauptsächlich jedoch ein Anteil am Produktivvermögen, den marxschen Produktionsmitteln sozusagen.

    Wenn nun alle Deutschen tatsächlich so antikapitalistisch wären, wie sie tun, wäre der einzig logische Schluss, sich Aktien zuzulegen und über eine breite Beteiligung des Volkes am Produktivvermögen sozusagen ein VOLKSEigentum aufzubauen. Nicht die dümmliche ostdeutsche Variante des "was allen gehört gehört niemandem", sondern eine kapitalistische.

    Aber nein, alle Parteien halten die breite Masse regelrecht fern von dieser befreiend wirkenden Beteiligung. Warum nur? Etwa, weil finanzielle Freiheit für einen vollumsorgenden Sozialstaat, was nichts als ein Herrschaftsinstrument des Raubens und Verteilens ist, eine Gefahr darstellt?

    Ich fürchte einerseits ja, andererseits fürchte ich bei Betrachtung der Politikerkarrieren in diesem Land leider, dass diese Leute ökonomische Blindgänger sind, zumindest zum überwiegenden Teil. Damit schließt sich der Kreis, denn damit sind diese Damen und Herren würdige Vertreter eines Volkes, deren größte Aktiengesellschaften zu > 60% in ausländischem Besitz sind. "Der Deutsche" arbeitet eben doch gern für seinen Herrn, wenn dieser auch ggf. in Katar, Angelsachen oder sonstwo sitzt und die Dividenden genießt.

    "The Forecaster" ist dabei nur ein dümmliches Argument für ökonomisch dumm gehaltene Insassen dieser Republik.

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