Mittwoch, 3. Juni 2015

Kommt der Gold-Rubel?

Der Autor Jim Rickards hat die These aufgestellt, dass Moskau an einem goldgedeckten Super-Rubel arbeitet, der der Papierwährung Dollar Konkurrenz machen soll.

Nahrung erhalten solche Spekulationen durch Meldungen, dass die Russische Föderation ihren Gold-Hort so stark ausweitet wie keine andere Nation. Tatsächlich hat Wladimir Putin den Bestand an Edelmetall seit der Finanzkrise 2009 verdoppelt.


Die Goldbestände der Russischen Föderation, hier in Millionen Unzen, haben sich seit 2009 verdoppelt
Quelle: Bloomberg

Wie plausibel wirkt es, dass der Kreml in nächster Zeit zu einer Pressekonferenz lädt und vor der erstaunten internationalen Presse verkündet: Investoren der Welt, legt eure Überschüsse in Rubel an. Er ist Gold-unterlegt und damit solider als der Dollar!

Nun, von einer goldgedeckten Währung ist Moskau noch ein gutes Stück entfernt. Russland hat seine Edelmetallreserven zwar in rascherem Tempo aufgestockt als andere große Ökonomien auf dem Planeten - aber ausgehend von einer niedrigen Basis. Noch in den Neunzigerjahren verfügte Moskau über überhaupt kein Edelmetall.

Selbst jetzt, mit einem Goldbestand von 1.238 Tonnen (Stand Juni 2015), ist Russland nur die Nummer sechs der Gold-Halter, hinter den Vereinigten Staaten, Deutschland, dem Internationalen Währungsfonds (IWF), Italien und Frankreich.

Dazu kommt: Beim jetzigen Kurs bedeuten 1.238 Tonnen Gold oder umgerechnet 40 Millionen Unzen, dass sich die russischen Reserven nur auf knapp vier Prozent der russischen Wirtschaftsleistung belaufen. Zu wenig für eine echte Gold-Valuta, die als "gedeckte Währung" glaubwürdig ist.

Glaubwürdig wäre der Gold-Rubel nur, wenn Investoren sich darauf verlassen könnten, dass das Papiergeld oder Buchgeld jederzeit in Gold umzutauschen ist.

Mit seinen 3.383 Tonnen Goldreserven ist Deutschland genauso weit oder genauso nah an einer Goldwährung wie Russland. Die Bundesrepublik hätte theoretisch die gleiche Ausgangsbasis, einen Gold-Euro oder eine Gold-Mark als Reservewährung zu installieren.


Quelle: IWF, World Gold Council, eigene Recherche


Im direkten Vergleich hätte Deutschland sogar bessere Voraussetzungen: Deutsche Bundesanleihen sind in Europa bereits fest als Benchmark-Anleihen etabliert, während russische Staatspapiere sich allenfalls in (spekulativen) Schwellenländer-Fonds finden. Als Reservewährung spielt der Rubel aktuell keine Rolle.

Das liegt auch am Mangel an Vertrauen in die Solidität der russischen Finanzpolitik.

Um in die Nähe einer ähnlichen Golddeckung zu kommen wie im klassischen Goldstandard, müsste der Kreml seine Edelmetallbestände verzehnfachen. Das ist ein ebenso aufwändiges wie kostspieliges Unterfangen.

Ob Putin so weit gehen will und kann, um den Dollar zu entthronen?



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