Donnerstag, 12. November 2015

Selbst die Mäßigen sind besser als das Sparbuch

Ein unterdurchschnittlicher Aktienfonds ist absolut gesehen nicht die größte Fehlinvestition, die man tätigen kann. Denn ein schlechter Aktienfonds ist allemal besser, als sein Geld dauerhaft auf dem Sparbuch gammeln zu lassen. 

Wir reden hier nicht von Mode- oder Spezialitätenfonds. Wer als Privatanleger auf einen bestimmten Trend setzt, sei es New Economy, New Energy oder New Parody kann mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass er zu spät kommt und auf die Nase fällt. 

Unrühmliche Beispiele wie der zur Jahrtausendwende begehrte Nordasia.com zeigen, dass es nahezu unmöglich ist, sich von den Verlusten zu erholen, die das "Megatrend2-Hinterherhechten verursacht. Das Problem ist, dass es nahezu unmöglich ist, mit einem Fonds (dessen Auflage ein langwieriger Prozess ist) nicht zu spät auf den Megatrend aufzuspringen, 

Anders sieht es bei der "langweiligsten" Kategorie aus: den global anlegenden Aktienfonds. Gewiss spielt das Timing auch bei diesen Portfolien eine Rolle: Es ist besser am Tief zu kaufen als am Hoch. Doch in einer wachsenden Weltwirtschaft kann die Beteiligung an unternehmerischem Engagement nie verkehrt sein - selbst wenn die Unternehmensanteile, also die Aktien nicht optimal ausgewählt werden. 

Beispiele zeigen, dass selbst eine unterdurchschnittliche Treffsicherheit des Fondslenkers bei der Aktienauslese die Rendite nicht völlig ruinieren kann.

Nehmen wir den M&G Global Basics (Wertpapierkennnummer: 797735). Einst hochgelobt hat der Manager des Global Basics in den letzten fünf Jahren ein schlechtes Händchen gehabt: In dieser Zeit hat es der Fonds auf jämmerliche 12,4 Prozent Rendite gebracht.

Das weltweite Börsenbarometer MSCI World verbesserte sich im gleichen Zeitraum um 73 Prozent, inklusive Dividende waren es sogar 98 Prozent (Stand 11. November 2015). Dennoch wäre der M&G Global Basics ein besseres Investment gewesen als jedesSparbuch: Der Fünfjahreswertzuwachs von 12,4 Prozent entspricht umgerechnet einer Rendite von 2,4 Prozent per annum.


Hat schon bessere Zeiten gesehen: der M&G Global Basics (Kurs in Euro)
Quelle: Bloomberg

Welches Tagegeld hätte das gebracht? Keines. Zweieinhalb Prozent im Jahr wären womöglich mit Festgeld zu erzielen gewesen, doch zu dem Preis, dass das Kapital auf Jahre gebunden ist. Ein Publikumsfonds hat dagegen den Vorteil, dass er jederzeit über die Börse verkauft werden kann.

Anderes Beispiel: Verglichen mit früheren Erfolgen erlebt der DJE Dividende & Substanz (WKN: 164325) aktuell eine Schwäche. Die Anteilscheine notieren 50,6 Prozent höher als im November 2010. Das war nur die Hälfte des Ertrags, der mit dem MSCI World theoretisch zu erzielen war. Dennoch würde sich wohl kaum jemand über eine Jahresrendite von 8,5 Prozent beschweren.

Ein letzter Fall: der DWS Top Dividende (WKN: 984811). Mit einem Fünfjahresplus von 75,7 Prozent werden die Lenker des DWS-Vorzeigeprodukts vermutlich selbst nicht ganz zufrieden sein, hat der globale Aktienindex in der Zeit doch 22 Prozent mehr eingefahren. Indessen bedeuten 75,7 Prozent, dass jeder, der den DWS Top Dividende 2010 kaufte, seither rechnerisch 11,9 Prozent Rendite im Jahr gemacht hat.


Nor wenige Fonds schnitten in den letzten fünf Jahren besser ab als das Börsenbarometer MSCI.
Doch selbst die schwachen Portfolien brachten meist eine ordentliche Rendite
Quelle: Bloomberg

Es bleibt der generelle Einwand, dass sich ein ähnlich hoher oder höherer Ertrag mit Indexfonds (ETF) erzielen lässt, also ohne das Risiko, auf den falschen Fondsmanager zu setzen. Nur kommt der Kunde in Deutschland eben nicht zum Fonds, der Fonds muss zum Kunden kommen. Das ist eine Tatsache.

Indexprodukte bleiben in der Regel institutionellen Kunden und Profi-Tradern vorbehalten. Während Privatanleger entweder einen aktiv gemanagten Fonds in der Bankfiliale kaufen oder gar keinen. Und damit gar kein Börsenprodukt. Punkt.

So bleibe ich bei meiner Aussage: Einen mäßigen (globalen) Aktienfonds haben ist besser als gar keine Aktien haben

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