Montag, 23. November 2015

Supermacht des Goldes

Germany is the superpower of gold bugs. In no other European economy investors hoard more coins and bars than Germany. However, there is a caveat. 

Es gibt ihn doch, den deutschen Sonderweg: wenn es um Gold und (Bar)Geld geht. In ihrer Haltung zu Edelmetall unterscheiden sich die Deutschen von allen anderen westlichen Völkern.

Überall sonst in der entwickelten Welt sind goldene Münzen und Barren Luxusgut oder Liebhaberei von Sammlern. Anders in der Bundesrepublik: Hier ist Gold neben und oft genug vor Aktien und Anleihen eine weithin bevorzugte Form der Geldanlage.

Ist es die Sehnsucht nach Werten außerhalb des Finanzsystems?

Wie sehr Edelmetall in der Mentalität der deutschen Sparer eine Kategorie ist, zeigen die neuesten Zahlen des World Gold Council. Im dritten Quartal des Jahres war Deutschland weltweit der viertgrößte Nachfrager von Münzen und Barren, nur knapp hinter der führenden Wirtschaftsmacht USA.


Was Edelmetall angeht, spielt Deutschland europaweit in einer eigenen Liga
Quelle: World Gold Council


Der Gold-Appetit der Deutschen war zwischen Juli und September ungefähr genauso stark wie die der Amerikaner, obwohl die Vereinigten Staaten eine viermal so große Bevölkerung haben.

Inder und Chinesen fragten mehr physisches Edelmetall nach, allerdings sind das Ländern mit einem wenig entwickelten Banksystem, und die Zahl der potenziellen Käufer beträgt jeweils mehr als eine Milliarde Menschen.


Die traditionellen Industrienationen Frankreich und Großbritannien spielen keine Rolle
Quelle: World Gold Council

Der deutsche Sonderweg zeigt sich vor allem im Vergleich mit unseren europäischen Nachbarn ... Während die Bundesbürger zwischen Juli und September 31,7 Tonnen Gold bunkerten, kauften die Briten nur 2,5 Tonnen, die Franzosen sogar nur 0,5 Tonnen.

Die Angst vor einer europäischen Bankenkrise allein kann es nicht gewesen sein, sonst hätten im dritten Quartal auch andere Europäer die Edelmetall-Händler gestürmt. Und Spekulationslust reicht als Begründung ebenfalls nicht aus. Der Unzenpreis bewegt sich seit Sommer auch in unserer Währung nach unten.

Die einzigen, die gemessen an ihrer Einwohnerzahl mithalten können, sind die Österreicher und die Schweizer.


Quelle: World Gold Council

Goldnachfrage in Tonnen, Bevölkerung in Millionen
Quelle: World Gold Council, IWF


Der Gold-Liebe der Mitteleuropäer liegt ein tiefes Misstrauen in das globale Finanzsystem zugrunde. Dazu kommt der Wohlstandseffekt: Wachsender Reichtum erzeugt Angst vor Verlust des Reichtums, zumal in einem kulturellen Umfeld, das Wohlstandsgewinnne nicht positiv konnotiert und es gar nicht schätzt, wenn Reichtum zur Schau gestellt wird.

Und eine Palette von Krügerrand-Münzen lässt sich eben besser verstecken als ein Porsche.

Die Zuneigung zu Edelmetall führt zu der paradoxen Situation, dass die Bundesrepublik mit einem Marktanteil von elf Prozent als einziger europäischer Staat auf der Gold-Weltbühne mitspielt.

Deutschland ist die Supermacht der Goldkäfer

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