Samstag, 5. Dezember 2015

Was ist nur mit Buffett los?

Berkshire Hathaway shares have underperformed the S&P500 by 10 percent since January. Has Warren Buffett, the world's greatest investor, lost his mojo?

Es kommt nicht gerade so selten vor wie der Halleysche Komet an der Erde vorbeizieht, aber doch ziemlich selten. In diesem Jahr ist es passiert: Warren Buffett, das Finanzgenie aus der amerikanischen Provinz, kann 2015 den Markt nicht schlagen.

Der erfolgreichste Investor aller Zeiten (Vermögen laut Forbes 64 Milliarden Dollar, damit Nummer zwei der Reichen-Liste) hat eine Historie, mehr Rendite zu machen als die Börsen im Allgemeinen.

Von Wissenschaftlern oft angefochten, hat das Orakel von Omaha in sechs Jahrzehnten bewiesen, dass der Markt nicht hundertprozentig effizient ist und dass ein einzelner Geldmanager mehr Ertrag erzielen kann als die angebliche Intelligenz der Massen, und das auf Dauer.

Doch 2015 ist es Buffett eben nicht geglückt, die Weisheit der vielen zu narren. Drei Wochen vor Jahresende notiert die Aktie seiner Holdinggesellschaft Berkshire zehn Prozent im Minus. Das US-Börsenbarometer S&P500 (SPX) steht dagegen leicht im Plus. Punktsieg für den Markt.


Quelle: Bloomberg

Ein Minus in einem Jahr, in dem der Markt im Plus schließt, ist für keinen Investor schön. Das letzte Mal hat das Buffett 1999 erlitten, auf dem Höhepunkt der Technologieblase. In den zwölf Monaten vor dem Millennium rutschte das Berkshire-Papier fast 20 Prozent ab, während der Markt 20 Prozent stieg. Heftig. Und nie wieder.

Ist der 85-jährige Buffett müde? Oder gibt es andere Gründe?

Nun, zum einen konnte Berkshire Hathaway nicht vom neuen Tech- und Biotech-Boom profitieren, da die Holdinggesellschaft kaum Beteiligungen dieser Art hält. Buffett selbst sagt: Von Geschäften, die ich nicht verstehe, halte ich mich fern.

Dazu kommt: Einige der von Value-Investoren bevorzugten Substanzwerte mit gesunder Bilanz aber langweiligem Geschäft haben an der Wall Street ein außergewöhnlich schlechtes Jahr hinter sich.

So steht die wichtige Berkshire-Beteiligung American Express (Wert zehn Milliarden Dollar) fast ein Viertel niedriger als im Januar, Wal-Mart Stores sogar ein Drittel.
Der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble (P&G) hat 17 Prozent verloren, der IT-Dienstleister IBM mehr als zehn Prozent.

Von den zehn größten Firmen des Buffeff-Imperiums haben in diesem Jahr nur zwei das Rote Meer der Kursverluste umschiffen können.

Berkshires Eisenbahn-Beteiligungen leiden unter den fallenden Energie- und Rohstoffnotierungen, da Kohle und Erze einen Gutteil ihrer Fracht stellen.

Außerdem hat der eigentlich sehr preisbewusste Ausnahme-Investor für seine jüngsten Erwerbungen, zum Beispiel Precision Castparts (Wert eine Milliarde Dollar), stattliche Preise gezahlt, was darauf hindeuten könnte, dass das Bewertungsniveau am US-Markt insgesamt überzogen ist.


Wertentwicklung der zehn wichtigsten Beteiligungen von Berkshire Hathaway im Jahr 2015
Quelle: CNBC, eigene Recherche


Das schlechte Abschneiden von Buffett 2015 ist womöglich ein Signal, dass es Amerikas Wirtschaft insgesamt schlechter geht, als es der relativ stabile Leitindex vermuten lässt.

Es ist aber auch möglich, dass Buffett wegen der Größe von Berkshire Mühe hat, sinnvoll in junge Firmen mit Wachstumspotenzial zu investieren - und dass die Wachstumsweiden der Multis im Portfolio erstmal abgegrast sind.

Der Börsenwert der Firma rangierte zuletzt bei 336 Milliarden Dollar. Damit ist Berkshire einer der größten Konzerne der Welt.

Tatsächlich lässt sich schon seit einiger Zeit beobachten, dass Buffetts Holding in den guten Jahren tendenziell weniger Mehrrendite zum S&P500 erwirtschaftet als früher.


Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen


Das letzte Wort muss das noch nicht sein. Warren Buffett, der Mann aus Omaha, ist gerade dann zu Hochform aufgelaufen, wenn "der Markt" dabei war, ihn abzuschreiben. Und selbst das schwache Jahr 2015 eingerechnet: Langfristig war Berkshire Hathaway so erfolgreich, dass Aktionäre der Holding ihr Vermögen doppelt so stark vermehrt haben wie Halter von S&P500-Indexfonds.

Das muss Buffett erst mal einer nachmachen

Kleiner Trost für Anleger aus Euroland: Durch die Aufwertung des Dollar zum europäischen Geld sind hiesige Berkshire-Aktionäre auch in diesem schwachen Jahr im Plus. 


Kursverlauf von Berkshire Hathaway A in Dollar
Quelle: Bloomberg

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